Gelesen

•November 26, 2009 • 1 Kommentar

Um hier in Ungarn nicht vollkommen hinterm Mond zu leben, lese ich hin und wieder zeit.de…wirklich nette Seite, vor allem, dann wenn man (mal nichts) zu tun hat und einen die Langeweile aufzufressen droht (diverse andere Menschen kommen dann auf ganz andere lustige Ideen, wie auf youtube ja genug zu sehen ist…by the way, habe meinen Chefs vorgeschlagen auch Bürogymnastik wie die Damen aus diesem Video hier – - zu machen…sie waren aber nicht so ganz davon begeister;)). Jedenfalls habe ich auch heute zeit.de gelesen (während ich nebenher dieses geniale Plakat für den *trommelwirbel**räusper**tamtamtadaahhhhh* „Deutsch-Gesprächsclub“ kreiert habe und bin auf diesen Artikel hier gestoßen worden: „Jedes Wort zählt“.

Gestoßen ist in diesem Fall sogar ein sehr passendes Wort. Es geht nämlich um Israel, Deutschlands besondere Verantwortung und den Nahost-Konflikt (huch? Ungewohnt politische Töne auf diesem Blog?;)). Bei einem Satz musste ich besonders schmunzeln (na ja, es sind vier…):

„Der zweite Test. Israels scharfe Blockade von Gaza dauert nun schon über zwei Jahre an. Der Verweis auf die dort herrschende Hamas reicht lange nicht mehr hin. Erstens leben dort Menschen – und zweitens gibt es Steigerungen von Hamas.“

Ich bezweifle Mal stark, dass der Autor es wollte, aber es klingt so, als wäre es eine Besonderheit, etwas Undenkbares, dass entgegen aller Rationalität dennoch eine Tatsache ist: Dort leben Menschen. Im Artikel hat es einen komischen Effekt. Wenn ich das nun aber so niederschreibe, dann huschen mir Vorstellungen durch den Kopf, die absolut nicht mehr amüsant sind. Aber selbst die Bilder in meinem Kopf, weit entfernt von Gaza, reichen wohl kaum an die Realität heran, die diese Menschen tagtäglich durchleben. Ghetto ist wohl der falsche Begriff dafür, aber das Wort, das mir als erstes dafür einfällt. Ein 1000% gesteigertes Ghetto. Und gleichzeitig muss ich ständig an die Worte eines Bekannten denken: „Die Israelis sind einfach gekommen und haben die Palästinenser vertrieben…“ Ich kenne mich zu wenig aus, um zu irgendeiner Seite Stellung zu beziehen. Aber vielleicht muss ich das auch gar nicht. Letztendlich geht es um die Bevölkerung und wir wissen ja selbst aus eigener Erfahrung, dass es meistens die Politik ist, welche Konflikte hervorbringt, das Denken und Handeln ein paar weniger Menschen, die weit entfernt von ihren Landsmännern in goldenen Stühlen sitzen.

Romantisch solidarisch und gleichzeitig besorgniserregend, empfinde ich Merkels Äußerung. Sie sagt Israels Sicherheit und Überleben sei Staatsräson. Es ist also elementar wie das Überleben Deutschlands selbst.

„Wenn es zum Krieg zwischen Iran und Israel käme, so wäre dies die ultimative Prüfung von Merkels Versprechen. Würde Deutschland dann aufseiten Israels in einen Konflikt eingreifen? Es ist zweifelhaft, ob wir diesen Test bestehen würden. Nicht nur deshalb gehört es vor allem zur Staatsräson Deutschlands, diesen Konflikt, den großen Nahostkrieg abzuwenden.“

…Das würde Krieg bedeuten. Und das bringt mich zu der bangen Frage: Wie labil ist Nahost tatsächlich? Denn von Stabilität kann man wohl beim besten Willen schon lange nicht mehr sprechen…

The Humans are Dead-Vegas Films

•November 25, 2009 • 1 Kommentar

The world of Chemistry

•November 25, 2009 • Kommentar schreiben

Na solange es noch Kaffee gibt…

•November 23, 2009 • Kommentar schreiben

Es ist jetzt genau eine Minute vor 19 Uhr. Seit geschlagenen 12 Stunden hänge ich vor diesem Lapop und schlage mich mit diesem verfluchten Photoshop herum. Bilder bearbeiten für diesen dämlichen Fotowettbewerb…hey, ich hab hier schon das Fluchen gelernt! Zwei Fluchwörter in zwei aufeinander folgenden Sätzen – wow! Nein, ich sitze natürlich nicht nur für diese Bilder am Schlapptop, habe zwischen durch auch ein paar Faxen gemacht. Leider sind die Faxen nicht so geworden, wie sie hätten werden sollen – aber hey, immerhin gibt es noch Kaffee! An der Kaffelatte gemesen, war der Tag leider noch weniger erfolgreich: Erst war die frisch gekaufte Frischmilch nicht mehr ganz so frisch wie man es von frischer Frischmilch eigentlich erwarten sollte.Bin derzeit nicht mehr so frisch-.-“….Tja und dann habe ich in all der düsteren Dunkelheit der Küche (die ich erst vor zwei Wochen aufgeräumt habe und die unter dem Regiment meiner zwei Chefs bereits jetzt schon wieder zur „Ich sollte mal gespült werden“-Hochburg geworden ist) zuviel Instantkaffeepulver erwischt – es war der schrecklichste Kaffee meines Lebens. Ich werde jetzt wohl mal Schluss machen und meinen Geschmacksnerven hinterher trauern gehen. Bis die Tage!

Coffeeaddicted

Kleine Geschichte der Partizipation

•November 21, 2009 • Kommentar schreiben

Mittwochabend. 18 Uhr – das erste Mal Deutschclub! Freude, Aufregung – Vorbereitung. Ich am denken und rotieren, schnappe meinen Laptop und stürme aus dem Teleház, um pünktlich im Jugendclub zu sein. Immerhin sollen sich die Teilnehmer nicht den Hintern abfrieren. Starte also den Thermostat, schleppe schwere Tische in die Mitte des Raumes und garniere das Bild mit ein paar Stühlen. Dann heißt es warten. Ich warte. Als es 18.05 Uhr ist, bin ich noch nicht nervös, denn zumindest ist ja Zsoli da und laut verschiedenen Leuten, ist eine „Tótvázsonyer Krankheit“, dass Termine nicht so ganz genau genommen werden. Ich warte weiter und lese nebenher „Dorian Gray“. Dann ist es 18.10 Uhr. Zsoli ruft Tünde und Tompi an, letzterer ruft mich kurz darauf zurück – keuchend, weil er rennt – und meint, er komme gleich. Tja, um 18.30 sind wir leider immer noch nur zu zweit. Zsoli ist inzwischen zum Fußball spielen gegangen, ich sitze mit Tompi an einem Tisch. Marie aus Nagyvázsony kommt und ich beschließe, den „Német Club“ für den heutigen Tag zu schließen. Und ich beschließe in der nächsten Woche lieber zum Filmabend der American Corner in der Bücherei von Veszprém zu gehen, als wieder alleine den Német Club zu fristen. Ich war nicht einmal so deprimiert, wie ich es eigentlich hätte sein sollen – ich war immerhin so klug gewesen und hatte kaum etwas vorbereitet und ich war gut genug gelaunt, diesen Boykott nicht auf meine Person zu beziehen. Entweder die Leute hatten keine Lust oder es besteht einfach kein Bedarf an einem solchen Club.

Es gibt so vieles, das an mangelnder Partizipation scheitert. Das ist nicht nur der Német Club. Das ist nur ein kleines Bsp.. Die Menschen jammern und maulen, dass es dieses und jenes nicht gibt. Sie wollen dies und das und überhaupt, würden sie die Dinge in Angriff nehmen, dann würde ja sowieso alles viel besser werden. Mir steht im Moment wenig der Sinn danach den Zaunpfahl zu benennen, mit dem ich hier so vor mich hin wedle. Letztendlich muss jeder das lesen, was er will – oder eben nicht. Aber ein wenig mehr „Hey, ich mach da mit! Es betrifft mich! Es interessiert mich“ und ein bisschen weniger „Ich hab keinen Bock, ist doch alles Scheiße! Und überhaupt, wie soll ich das denn anpacken?“ wäre echt wünschenswert…

Rendez-vous mit Dorian Gray

•November 21, 2009 • Kommentar schreiben

Ich glaube das Leben nach dem Tod ist schon vor dem Tod selbst möglich.Mir hat sich das Paradies auf Erden eröffnet! In Veszprém. Dort stehen ganz eng beeinander unzählige Regal, auf denen sich Rücken um Rücken Bücher reihen und mich ganz lieb anlacheln. Weil ich ein „Önkentes“ bin, habe ich kostenlosen Zugang erhalten und mich gleich Mal über die englisch und deutsche Ecke hergemacht: Oscar Wilde „The Picture of Dorian Gray“.
Wilde an sich ist schon eine sehr interessante Person, die zu Lebzeiten nicht sonderlich auf Sympathie bei Kritikern stieß. Sein Buch „The Picture of Dorian Gray“ wurde als ammoralisch tituliert. Er selbst entsprach auch nicht der damals gängigen Norm und war ein Anhänger der griechischen Liebe, sprich er war homosexuell. Für ihn war die griechische Antike mit ihren simplen ästhetischen Formen ein Ideal.
Ich habe bisher nur den Vorspann – ein etwa 20 Seiten langer Kommentar eines Hernn John M.L Drew – und das erste Kapitel gelesen. Erstaunlicherweise empfinde ich Wildes Englisch einfacher zu lesen als das des Kommentators. Das finde ich irgendwie amüsant. Vieles wird zerschrieben und „Getretener Quark wird nicht stark, sondern breit“. Wer sagte das? Na Goethe=) (Danke Herr äH, es ist hangen geblieben!)
Kurzer Umriss: Basil Hallward und Lord Harry Wotton treten auf und unterhalten sich über ein Bild, das der Künstler Hallward seinem Freund Harry vorstellet. Es ist das Bild eines wohl sehr attraktiven jungen Herrn. Harry ist so begeistert, dass er Basiél vorschlägt, er solle das Bild doch unbedingt in Grosvonor ausstellen, was dieser aber mit der Begründung ablehnt, dass in dem Bild viel zu viel von ihm selbst stecke. Harry glaubt ihm das natürlich nicht und bohrt weiter. Basil erzählt daraufhin, wo er sein Model kennen gelernt hat und was für einen Einfluss Grays Auftauchen auf die Kunst des Malers habe. Es sei eine ganz andere Kunst daraus geworden. Harry möchte Gray daraufhin unbedingt kennenlernen, was Basil dazu bringt seine äußerungen hinsichtlich Grays zu relativieren. Schließlich schleppt er ihn aber doch mit in sein Studio, um ihm sein Model vorzustellen.
Mein erster Eindruck ist folgender. Basil will Gray mit niemandem teilen und vor allem von nichts und niemandem beeinflusst wissen, um sich dessen einfaches und schönes Wesen zu bewahren. Der Maler ist nur halb so unabhängig wie er glaubt zu sein, denn er ist der Kunst verfallen. Gray hat diese Kunst positiv verändert. Basil begibt sich also in eine Abhängigkeit zu Gray, was dieser selbstverständlich ausnutzt. Der Lord erscheint mir im Moment noch wie ein kühler Außenstehender, der zusieht und hier und da einen Kommentar fallen lässt, nur um zu sehen was daraufhin geschieht….

Szép város Kolozsvár – Komm mit nach Varasdin

•November 19, 2009 • Kommentar schreiben

Was auf die Ohren – hört Mal rein ( vor allem du Kätzchen!;))

Ein waschechter Amerikaner

•November 15, 2009 • 3 Kommentare

Die meiste Menschen sind Klischeedenker. Soll jetzt kein Vorwurf sein. Das ist eine Tatsache. Eine Tatsache, die darauf beruht, dass dem menschlichen Gehirn Ordnungssysteme zugrunde liegen mit denen es Informationen sammelt, verwertet und daraufhin eine geeignete Reaktion einleitet (Ein Dankeschön an Herrn Knastpfarrer für die lehrreichen Psychologiestunden – Sie könnten im Übrigen ruhig Mal auf meine Mail vom September antworten!). Der Mensch fühlt sich damit sicher – auch wenn sie meistens ins Leere laufen. Manchmal aber auch nicht. Klischees sind also ziemlich „normal“.

Am Dienstag Abend jedenfalls begegnete ich im English Book Club in der American Corner der Bibliothek Veszprém einem waschechten Amerikaner. Stolz, selbstbewusst, laut (ich glaube er hört sehr gern seine eigene Stimme), bibeltreu sind eindeutig zu wenige Adjektive, um den dunkelhäutigen Mann in gleichfarbenem T-Shirt und Hose zu beschreiben. Er ist eine interessante – amüsante – Mischung aus indianischem Afro-Amerikaner mit breitem Ledergürtel, einer noch größeren „Eagle“- Schnalle und einem mysteriösen blauen Stein um den Hals. Fehlen nur noch die Federn. So hält er Dan Browns „The last symbol“ wie eine Bibel in die Höhe und klopft immer wieder auf den armen Einband. Er werde dem gespannten Publikum das Geheimnis um das „verlorene Zeichen“ enthüllen, sagt er (klopft auf den Einband); dass der Beitritt zum Bücherklub der erste Schritt zum kritischen Leser sei, sagt er; dass er die Liebe zu den Büchern in unseren Augen sehen kann, sagt er (Amerikaner sind ja weithin bekannt für ihre pathetische Ausdrucksweise=)). Ich glaube von den 60 Minuten, die für den Klub anberaumt sind, braucht er allein 30 für seine glorreiche Einleitung. Über reichlich viele Hymnen auf Dan Brown und „time is a river and books are boats“, Schwärmereien über seine eigene Buch-Kollektion, 3tes-Reich Bemerkungen und einigen Bibelzitaten, gelangen wir schließlich zu dem „verlorenen Zeichen“: Der Bibel. Das wäre aber natürlich viel zu einfach. Es ist das, was in der Bibel steht: Das Wort. Das mächtige Wort. Fürchtet euch davor!

Zwei Dinge möchte ich anmerken: Ich bin mir nicht sicher, ob man tatsächlich behaupten kann, Dan Browns Buch beinhalte „A lot of answers“ auf Fragen wie „wer bin ich?“, „warum bin ich hier?“, „wo gehe ich hin?“. Brown mag ein erstklassiger Unterhaltungsautor sein – aber er ist gewiss kein Guru (überhaupt, was maßen wir uns immer an den Autoren unsere Interpretationsthesen zu unterstellen?!)

Zweitens, dieser Amerikaner verhält sich wie ein Elefant im Porzellanladen. Weil er weiß, dass ich aus Deutschland komme, nutzt er jede Gelegenheit, um mit Deutsch zu glänzen, indem er Begriffe aus der neueren deutschen Geschichte fallen lässt: Führer, Gestappo….Ich glaube bisher hat ihm noch niemand erklärt, dass es der denkbar schlechteste Gesprächsbeginn mit einem Deutschen ist, bereits im dritten Satz „Hitlers Steinhaus“ zu erwähnen. Ich nehme es ihm nicht übel, denn er scheint die Geschichte anders wahrzunehmen, als ich in diesem Moment – ich fühle mich ziemlich unwohl, so „festgenagelt“ zu werden – nämlich schlichtweg als „irgendein Aspekt irgendeiner Geschichte“….Insgesamt ist der Abend aber recht amüsant – eben ziemlich amerikanisch.

Von Plänen und deren Nichtumsetzbarkeit

•November 6, 2009 • Kommentar schreiben

Gestern bin ich mitten in einer Friedensdemo gelandet. Eigentlich hatte ich mir die Fackelträger nur anschauen wollen, dachte auch, dass das der Grund war, weshalb wir nach Veszprém gegangen sind (das und Kaffeetrinken) und auf einmal stand ich in einer Reihe mit rund 200 anderen Menschen, die ein Peace-Zeichen formten, flackernde Fackeln in der Hand. Wenn ich hier eines in den letzten drei Wochen mehr als eindrücklich gelernt habe, dann ist es das, dass man planen und organisieren kann was man will, die Dinge kommen grundsätzlich anders heraus.

Bsp. 1: Budapest-Trip vorletztes Wochenende. Es hätte alles ziemlich einfach werden können. Natalie, eine deutsche Freiwillige aus Pécs, wollte freitags kommen, sodass wir dann samstags gemeinsam nach Budapest gefahren wären, um dort abends auf eine Climate Change Party in einem Thermalbad zu gehen und bei Vera, einer serbischen Freiwilligen zu übernachten. Leider erfuhr ich viel zu spät von Natalies geänderten Plänen. Mein Mentor konnte mich glücklicherweise schon donnerstags nach Budapest mitnehmen, jetzt musste ich innerhalb von wenigen Stunden noch eine andere Schlafgelegenheit für Piroska und mich finden. Ich maile und simse also wie eine verrückte durch die Gegend – vornehmlich an Vera, die mir aber nicht antwortet. Nachdem ich Donnerstag früh noch erfahre, dass Piroska Besuch von ihren Geschwistern am Wochenende erwartet – also gar nicht mit nach Budapest geht – schlittere ich in mein erstes Couchsurfing Abenteuer. Etwas unruhig, was denn da wohl auf mich zukommen mag, treffe ich Michelle am Donnerstag Nachmittag und bin sehr erleichtert. Wir verstehen uns auf Anhieb gut. In den nächsten drei Tagen entgehe ich in einem gemütlichen Coffeeheaven sitzend einem Aufmarsch der rechten Szene auf dem Déák Tér, treffe ich einen Hamzah, einen jordanischen Freiwilligen, erkunde Budapest auf eigene Faust (die Markthallen sind super!), unternehme etwas mit den anderen deutschen Freiwilligen, lerne einen verrückten Australier kennen, der für den Kampf gegen den Klimawandel von Australien nach Kopenhagen radelt (im Dezember finden dort die Verhandlungen für einen Nachfolgevertrag des Kyoto-Protokolls statt), treffe unglaublich viele deutsche auf der Climate Change Party, entdecke, dass Glühwein und 38C° sich nicht unbedingt vertragen und dass man im McDonalds ganz passabel Kaffee trinken kann. Sonntags geht es schließlich zurück nach Tótvázsony. Nach der Millionenmetropole Budapest kommt es mir etwas absurd vor in das kleine Städtchen zurückzukehren. Die ersten Tage der neuen Woche stolpere ich auch noch umher wie Falschgeld (und das trotz des wunderbar leckeren Abendessens am Sonntag-.-)

Bsp. 2: Die Halloween-Party und das Teehaus letztes Wochenende. Mein erstes Projekt lief mit vielen Vorbereitungen unter jeder Menge Spaß und Zuversicht an und endete in Stress und schlechter Laune. Grund dafür war dieser Projektor, den mir Chef 1 vorbei bringen wollte und dann erst um Viertel nach acht richtig anschloss. Leider begann die Party aber schon um acht. Der Projektor war aber wichtig, denn wir wollten damit Videos und einen alten Horrorfilm an die Wand projetzieren – das Highlight der Party. Leider kamen dann zu Beginn auch nur relativ weniger Leute und gegen Ende solche, die ich absolut nicht auf dieser Party habe sehen wollen: Schnappsleichen, Bierentführer, Sinnlos-Betrinker. Von der Halloweenparty ging es stressreich weiter in Runde zwei: dem Teehaus. Zunächst einmal konnte ich den Anfang meiner Präsentation nicht auf Ungarisch auswendig lernen, weil mir meine Lehrerin nicht die Übersetzung zugeschickt hatte (ihr Vater war krank geworden, wie ich später erfuhr). Mir fehlte dann auch die Zeit, um Tompis Übersetzung zu lernen. Dann war es wieder Chef 1, der nicht rechtzeitig da war, um sich um die Technik zu kümmern. Der Laptop wollte nicht so, wie er wollte, wir mussten meinen Laptop holen. Ich war unterdessen ziemlich schlecht gelaunt: gestresst, nervös, enttäuscht und an einer spontan über mich herein gebrochenen „Ich vermisse meinen Schatz ganz doll“-Welle leidend. Merkwürdigerweise besserte sich meine Laune während meines Vortrags zunehmend. Ich kannte diese rund dreißig Menschen nicht, die da vor mir hockten. Ich hätte nervös sein müssen, war es aber nicht. Ich genoss den Vortrag (vermutlich weil ich mich mit dem Lesens meiner ungarischen Einleitung zu Beginn schon zum Affen gemacht hatte und mein Vorrat somit aufgebraucht worden war). Mir tat es nur unglaublich Leid, dass Tünde nachher weinte; Gedemütigt durch Chef1ns wenig schmeichelhafter Art seine Ansichten in Befehlsform durchzusetzen und durch die Zwischenrufe einer Dame. Tünde spricht und versteht Deutsch supergut! Manchmal vergesse ich ganz, dass Deutsch für sie nur Fremdsprache ist. Und auch Piroska tat mir Leid, denn sie wurde ziemlich von Chef 1 durch die Gegend gehetzt. Das Freiwilligen-Dasein hat auch Nachteile. Man ist eine sehr billige Arbeitskraft…Ich kann es leider nicht so gut verbergen, wenn mir etwas nicht passt. Man merkt es mir an, wenn mich etwas nervt. Und dieses Gefühl, das mich dann durchströmt, verlässt mich auch dann nicht, wenn man mir den Grund für jene Aufgabe, jenes Verhalten erklärt oder sich bei mir entschuldigt. Es bleibt haften wie zäher Sirup. Manchmal fürchte ich mich etwas davor, dass ich mich in den verbleibenden acht Monaten irgendwann mit meinem Chef 1 in die Wolle bekommen könnte. Andererseits ist es glaube ich nicht schlecht, nicht immer brav wie ein Schäfchen zu sein. Mit seiner Befehlsgewohnten Art stößt er nämlich bei vielen auf Unmut. Und man kann nicht immer kompromisslos seine Ansichten durchsetzen wollen und dann böse auf andere sein, wenn diese Ansichten auf seine Art einfach nicht durchzusetzen sind.

Was ist nun aber der Grund für all diese sich verselbständigende Pläne. Es ist so was von banal: das meiste hängt nicht von uns allein, sondern auch von anderen Menschen und noch mehr Faktoren ab. Natürlich gibt es auch Ausgänge, die wir selbst verschulden. Heute Morgen zum Beispiel. Wie gewöhnlich stehe ich an diesem Freitag um7.45 Uhr auf. Hetze ins Bad, hetzte in die Küche, trinke etwas Warmes, richte mir mein Pausenbrot, springe nach oben, weil ich glaube nur noch fünf Minuten zu haben – und merke auf einmal, dass ja heute Freitag ist und ich nicht um 9 Dienstantritt habe, sondern erst um 10. Ziemlich doof, aber immerhin habe ich jetzt endlich Mal Gelegenheit, das nachzuholen, das ich in den letzten Wochen aus Faulheit immer vor mir her geschoben habe: Blog schreiben=) In diesem fleißigen Sinne: Lasst es heut am Freitag krachen, Leute!

Irgendwie eNgLiSH- inTeRNatIonAl

•Oktober 15, 2009 • 4 Kommentare

Schon einmal was von Hortobágy (Hortobadj) gehört? Nein? Ich bis zu diesem Wochenende auch nicht. Da war diese Stadt, die mitten in einem Nationalpark im Osten Ungarns, ca. 35 km von Debrecen entfernt, liegt, eine Stadt wie jede andere auch. Jetzt werde ich damit in Zukunft Erinnerungen an ein mulitlaterales Treffen verbinden, dem ersten EVS Club.

Anderen Freiwilligen – den Eingeweihten;) – wird dieses Seminar eher unter dem Namen „On Arrival Training” geläufig sein. Im Endeffekt ist es aber dasselbe: Ein Haufen junger Leute aus allen Ecken Europas kommt für ein paar Tage zusammen, um Ungarn zu entdecken, Probleme anzusprechen und informiert zu werden. Sie alle verbindet eine Gemeinsamkeit: Sie leisten einen Europäischen Freiwilligendienst in Ungarn. Ohne es verherrlich zu wollen, die Erfahrung war klasse! Ich habe jetzt noch einen Englischhänger, weil ich fünf Tage fast ununterbrochen Englisch gesprochen habe. Da freut sich jeder Englischdozent. Wieder habe ich einmal festgestellt, wie wichtig gutes Englisch ist. Ohne hätte ich mich nie und nimmer so gut mit Senol aus der Türkei, Mario aus Spanien, Levi aus der Ukraine oder Vera aus Serbien unterhalten können.Man merkt schon jetzt das es ziemlich multikulti zug ing – jedoch nicht für alle. Die Spanier blieben weitestgehend unter sich, sprachen auch dann nur Spanisch ohne zu Übersetzen, wenn ein Nichtspanier unter ihnen saß. Das fand ich persönlich sehr schade.

Das Programm bestand im Großen und Ganzen aus Outdoor-activities, wie Treasure hunting (wir mussten als Gruppe eine Kutsche durch einen Slalom ziehen, mit einem Boot Flaschen einsammeln und mit einer well, einer Wasserpumpe aus einem alten traditionellen Brunnen, Wasser schöpfen – das war Mal anstrengend!), Handarbeit (wobei Holz, Glas, Stoff und Leder zur Auswahl standen), zwei Museen (zum Nationalpak und der Hirtentradition Ungarns), einer Fahrradrally durch die Puszta und einer Kutschfahrt durch die Puszta mit anschließendem „Reiten”. Abends kam die Gruppe dann mehr oder minder vollständig zu einem Lagefeuer zusammen, bei dem es heißen Wein, Gesang und Gespräche gab. Einige machten auch feuchtfröhliche Abstecher in das Pub. Ich persönlich fühlte mich in der Gruppe relativ schnell wohl. Andererseits war ich ständig unter Dampf. Es liegt mir nicht fünf Tage am Stück kaum Rückzugsmöglichkeiten zu haben. Vor allem abends war ich müde, sodass ich eher schweigsam war – was mir dann wieder Unmut brachte, weil ich mich unterhalten wollte. Erwähnenswert sind wohl noch die Eintagsfliegen, die zuweilen bei solchen Seminaren ihren Dienst aufnehmen. Aja, das war ein Insider=)

Während ich mit der Truppe sehr zufrieden war, sammelte das Hotel Minuspunkte. Jetzt wird wohl jeder denken: Ha! Typisch Deutsche – kommt nicht mit bescheideneren Umständen klar. Hätte ich damit ein Problem, hätte ich nicht diesen Freiwilligendienst antreten dürfen. Nein, ich habe nicht mit einem Vier-Sterne-Hotel gerechnet. Aber ich finde dann doch, dass Hotels eine gewisse Sauberkeit aufweisen sollten und daran haperte es hier meier Meinung nach. Anders als viele meiner Kollegen, fand ich das Essen dagegen nicht so schlimm. Es war typisch ungarisch fettig, aber sonst vollkommen in Ordnung. Ich war total begeistert, dass nicht zwei Mal am Tag Fleisch aufgetischt wurde.

Auf der Heimfahrt haben Piroska, meine Mitbewohnerin, und ich auf dem Bahnhof von Debrecen dann noch Leander aufgegabelt. Er ist 22, Philipino, hat aber zwei Jahre in Thailand gelebt und ist jetzt nach Rumänien gekommen, um dort Medizin zu studieren. Er hat ein paar Freunde in Ungarn besucht und durfte dann nicht mehr nach Rumänien ausreisen, weil er kein Visum für Ungarn hatte. Statt nach Hause zu kommen, hat man den armen Kerl im Gefängnis festgesetzt. Als wir ihn treffen ist er gerade auf dem Weg nach Budapest und schließt sich uns an. Während der Zug, ein scheinbar etwas älteres Modell, gen Hauptstadt rattert unterhalte ich mich ein wenig mit ihm. Die Geschichte wird aber dann doch etwas kompliziert. Man hat ihm nämlich angeboten im Konsulat zu übernachten. Nur leider wissen wir nicht so genau, an welchem Bahnhof wir überhaupt ankommen. Ich telefoniere also mit dem Konsulatsmenschen und es stellt sich heraus, dass dieser Kerl Deutsch-Ungar ist. Sehr lustig. Weniger lustig ist dann aber, dass wir am falschen Bahnhof landen. Nachdem wir eine halbe Stunde in der Kälte warten – plötzlicher Wintereinbruch – und ich meinen halben Kaffee verschüttet habe (es ist schon 19 Uhr), wendet sich aber trotzdem alles zum Guten und wir liefern Leander bei einem Barnabas ab. Wir selbst brauchen dann noch fast drei Stunden, bis wir zuhause sind (leider waren die Toilettenhäuser auf der Busstrecke Budapest/ Pécs alle zu, sodass wir noch ein echtes Naturerlebniss in der Kälte hatten). In solchen Momenten liebe ich es eine Freiwillige zu sein. Man trifft ganz unerwartet Leute, hört die unglaublichsten Geschichten und sammelt Erfahrungen und Eindrücke. Mein Fazit des ersten EVS Clubs ist daher rundherum sehr positiv. Ich freue mich schon auf Natalies Besuch und den gemeinsamen Abstecher nach Budapest zu Vera und der Climate Change Party. Wird bestimmt klasse! Und ich freue mich auch darauf die anderen zu besuchen – und hoffe, dass wir es auch schaffen, in Kontakt zu bleiben….