Hilfe! Holt mich hier rauß, ich will nicht verblöden!

Szenario: Es ist Sonntag Nachmittag. Nach einem anstrengenden vierstündigen Erdkunde-Bildungsmarathon (bis zum Abi sind es gerade einmal noch leidliche 11 Wochen) bei einer Kurskollegin, steige ich, bis in die Zehenspitzen gut durchgefroren in den Smart (meiner Eltern) und mache mich auf den Weg nach zurück nach Hause. Nachdem das Auto ordnungsgemäß – und gerade – in der Tiefgarage steht, die neuerdings ganz schön nach Abgasen müffelt, schleppe ich mich die 64 Stufen nach oben in den dritten Stock. Fluchend krame ich vor der Tür erst einmal fünf Minuten nach diesem verdammten Schlüssel, der sich in den Tiefen meiner Tasche einfach nicht finden lassen will. Endlich, mit den Gedanken schon bei einem wohltuenden Kaffee (oder Milch mit Kaffee), betrete ich die Wohnung. Mein Hund kommt mir schon freudestrahelnd und mit dem Schwanz wedelnd entgegen. Wissend, dass er mir sonst den Rest des Tages beleidigt sein wird, bücke ich mich zu ihm herab und begrüße ihn mit einer kleinen Streicheleinheit, ehe es nichtsahnend weiter ins Wohnzimmer geht. Dort sitzt meine Mutter auf der Couch bei Kartoffel schälen. Dirk Bach rollt über den Fernsehrschirm. „Auf zur nächsten Dschungelprüfung!“ Meine Laune sinkt um 10 000 Punkte unter das Nullniveau – die nächste Runde der Volksverdummung hat begonnen.

Pisastudien, andauernde Bildungsreformen – eigentlich ist es ja schon interessant, dass sich überhaupt noch irgendein Sender traut Shows wie das Dschungelcamp auszustrahlen. Eine Gruppe von finanziell angegriffenen B-Promis hockt mitten im australischen Dschungel und macht sich für das Publikum zum Affen. Eine Herausforderung für den Einzelnen? Das ist es sicher. Zumindest ich bin weit davon entfernt „freiwillig“ eine Handvoll krabelnder und zappelnder Käfer hinuter zu würgen. Schade, dass es darum im Dschungelcamp nicht wirklich geht. Dschungelcamp bedeutet Publicity. Dass man sich dabei eher defamiert als positiv herausstellt scheint egal zu sein. Das Niveau ist gleichgültig. So verlegt sich das Moderatorenpaar lieber darauf zu lästern…immerhin wird dem Dschungel noch mitgeteilt, dass das Camp in Australien liegt. Außerdem – das weiß man natürlich nur, wenn man auch tatsächlich die Sendung sieht – sind Käfer und Regenwürmer für die Verdauung vollkommen ungefährlich, zumindest laut diesem Doktor, der eine pseudomäßige Seriosität in die Show bringen soll. Wirklich gefährlich ist es dann doch nicht, denn unsere armen Promis werden natürlich Tag und Nacht bewacht. Ein Todesfall kann sich RTL nämlich bestimmt nicht leisten.

Wie weit ist es nun mit der Bildung für das Volk? Anscheinend hat Deutschland selbst keinen Bedarf nach hochwertigeren Sendungen, andernfalls wären die Einschaltquoten wohl nicht so hoch. Dem Zuschauer gefällt es offensichtlich zu Hause auf der Couch im Warmen zu sitzen und bei den Dschungelprüfungen laut „Iiiih!“ und „bääääääh“ rufen zu können und dabei richtig froh zu sein, nicht in der Haut des armen Prüflings zu stecken. Es hat ja auch schon ein wenig was von Voyeurismus anderen dabei zu zu sehen wie sie sich blamieren, wie sie Angst haben, sich ekeln und leiden.

So lange wir Sendungen wie „Das Dschungelcamp“ tolerieren, wird es wohl wenig mit „Bildung für das Volk“….Zumindest ich bin bei dem Versuch gescheitert meine Familie davon abzuhalten, solche Shows zu konsumieren (immerhin läuft kein Big Brother, worüber ich schon mal sehr froh bin). Ich für meinen Teil bleibe dann wohl lieber bei Erdkunde und Grey´s Anatomy…bei letzterem lernt man zwar auch nichts, aber zumindest hat man nicht das Gefühl verblödet zu werden und zumindest hinsichtlich der Produktion etwas niveauvolles vorgesetzt zu bekommen….

~ von leaclow am Januar 15, 2009.

5 Antworten to “Hilfe! Holt mich hier rauß, ich will nicht verblöden!”

  1. wow
    http://vip-promis.blogspot.com/2009/01/enthlltschwindel-in-dem-dschungelcamp.html

  2. danke für den link!
    ist ja allerhand! das wusste ich bisher noch nicht!….wobei, eigentlich ist es ja logisch. zumindest hinsichtlich der prüfungen dürfte es wohl die eine oder andere entschädigung geben…

  3. und wer entschädigt den zuschauer?

    ich hab mir die sendung auch angetan, zum teil auch unter zwang. als trash-tv-junkie erlebt man ja allerhand.

    vernünftier weise MUSS ich dir raten zu lernen und auf diesen müll zu verzichten. ich gehe daran fast kaputt. „schön“ is anders, aber der bohlen wird mich bestimmt holen und die klum wird bestimmt auch noch den ein oder anderen masturbationswütigen (entschuldige die ausdrucksweise!) vor das tv senden. man fragt sich was als nächstes kommen wird. eine live vergewaltigung, eine hinrichtung durch die guilliotine?
    es ist nicht schön, aber glegentlich schaut man halt doch mal hin. wie ein verkehrsunfall eben.

    • ich verweise hier mal auf die TV-Suizidbeihilfe in – ich glaube es war – England…Es ist eine Sache Sterbehilfe zu befürworten oder abzulehnen…aber es ist definitiv eine andere das im TV zu zeigen!

  4. stimmt. war echt der hammer. pietätlosigkeit scheint eines der obersten gebote von tv-sendern zu sein!
    da kann ich nur noch mit dem kopf schütteln und versuchen den würgereiz zu unterdrücken.

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